Samstag, 7. März 2015

Wort für den Tag, Sonntag, 08. März 2015


Auf die Frage eines Religionslehrers, was das Christentum sei, antwortet ein 12-jähriger spontan: »Christentum ist das, was man nicht darf«  Eine Aussage, welche die Einstellung vieler Mitmenschen zur Kirche ausdrückt. Viele Menschen verbinden Religion, Glaube und Kirche mit Geboten und Verboten: Du sollst nicht, du darfst nicht!

In jenen Tagen sprach Gott auf dem Berg Sinai alle diese Worte:
Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.

*     Du sollst neben mir keine andern Götter haben.
*     Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.
*     Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
*     Ehre deinen Vater und deine Mutter,
*     damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
*     Du sollst nicht morden. Du sollst nicht die Ehe brechen.
*     Du sollst nicht stehlen.
*     Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
*     Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder nach irgendetwas, das deinem Nächsten gehört. (Buch Exodus 20,117)

Dabei ist dieser kleine Abschnitt aus dem Buch Exodus nur ein winzig kleiner Teil unserer hl. Schrift und will uns nicht einengen oder drängeln, sondern zur wahren Freiheit führen. Nicht umsonst steht am Anfang des Dekalogs, der 10 Gebote, der Satz: Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Das ist der alles entscheidende Satz.

Jahwe fordert sein Volk auf, sich zu erinnern wo es her kommt, nämlich aus der Sklaverei Ägyptens. Und nun, kurz bevor sie ins gelobte Land einziehen gibt er ihnen 10 Regeln an die Hand, damit sie frei bleiben, damit sie nicht wieder in irgendwelche Abhängigkeiten geraten.

Gott liegt aber nichts mehr am Herzen als unsere Freiheit. Darum gab er Israel und uns die Gebote. Er gab sie ihnen und uns, damit es uns gut geht, damit wir nicht zu Sklaven von anderen Menschen oder zu Sklaven unserer eigenen Neigungen und Wünsche werden:

Ich bin der Herr, dein Gott

1. Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und ihm dienen!
Das ist für Christen die Forderung, den Glauben an den einen Gott, der Vater, Sohn und Geist ist, zu bekennen. Auf ihn sollen wir unsere Hoffnung setzen, denn er ist Ursprung und Ziel unseres Lebens.

2. Du sollst den Namen Gottes nicht missbrauchen!
Das ist eine Forderung der Ehrfurcht vor dem unergründlichen Geheimnis Gottes. Wir können nicht groß genug von seiner Macht und Herrlichkeit denken. Das muss unser Reden von Gott, unseren Umgang mit ihm und mit allem bestimmen, was zu Gott gehört.

3. Gedenke, dass du den Sabbat heiligst!
Das ist für den Christen die Forderung, an der schöpferischen Ruhe Gottes teilzunehmen und im Gottesdienst dem Herrn für die Gaben der Schöpfung und die Gnade des Erlösungswerkes zu danken, wie es die Kirche vor allem in der sonntäglichen Feier der Eucharistie tut.

4. Du sollst Vater und Mutter ehren!
Das ist die Forderung in der Familie, in Staat und Gesellschaft, in der Kirche jedem Glied der Gemeinschaft mit Achtung zu begegnen und zu ihm zu stehen.

5 Du sollst nicht töten!
Das ist die Forderung, das eigene und das fremde Leben zu achten. Geistiges und leibliches Leben sind Gaben, die uns Gott zur Pflege und Entfaltung anvertraut.
Das schließt den Auftrag ein, für gesunde Lebensbedingungen zu sorgen und ein Klima der gegenseitigen Fürsorge zu schaffen, in dem jeder nicht nur sein Recht erhält, sondern auch jene Liebe und Anerkennung erfährt, ohne die er verkümmern müsste.

6. Du sollst nicht ehebrechen! - 9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau/ deiner Nächsten Mann.
Eine verantwortungsbewusste Haltung gegenüber der Geschlechtlichkeit schafft die Voraussetzung für eine menschenwürdige Begegnung zwischen Mann und Frau.

7. Du sollst nicht stehlen! - 10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Hab und Gut!
Das ist die Forderung, das Eigentum des Nächsten zu respektieren und verantwortlich mit eigenem und fremdem Gut umzugehen.

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider deinen Nächsten.
Das ist die Forderung nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit im Reden und Handeln. Kein Mensch kann sich entfalten und keine Gemeinschaft kann Bestand haben, wenn falscher Schein, Täuschung und Lüge, Verleumdung, Treulosigkeit und Unzuverlässigkeit das Vertrauen und die Sicherheit untergraben und zerstören. Wir leben von der Treue und von der Wahrhaftigkeit Gottes.

Aus: Beten im Alltag, Action 365.


Dienstag, 3. März 2015

Wort Gottes für den Tag, 4. März 2015


„Aber ich bin’s doch gar nicht gewesen...“
Vom Verurteilen und der Selbstanklage

 
Urteile über den Nächsten zu fällen, ist einfach. Auf dem Weg des Christen kommt man aber nur voran, wenn man die Weisheit hat, sich selbst anzuklagen und die Schuld nicht nur bei anderen zu suchen. Das sagte Papst Franziskus an diesem Montag bei seiner Morgenpredigt.


Die liturgischen Texte des Tages kreisen um das Thema Barmherzigkeit? Der Papst erinnerte daran, dass alle Sünder seien, auch wenn wir das nicht immer wahrhaben wollten.

 „Wir alle sind Meister darin, uns selbst zu rechtfertigen: Aber ich bin’s gar nicht gewesen, es ist nicht meine Schuld, aber er war doch nicht so schlimm... Wir alle haben Ausreden für unsere Schwächen, unsere Sünden, und immer können wir dieses Unschuldsgesicht machen, das sagt ‚Ich? Keine Ahnung, das muss ein anderer gewesen sein.’ Aber so geht es im christlichen Leben nicht weiter.“
Der erste Schritt sei also der, sich selber anklagen. Wenn ich bei mir selbst etwa Neid entdecke und weiß, dass dieser Neid dazu führt, dass ich schlecht über jemanden spreche und ihn moralisch töte, dann ist es weise, mich selber anzuklagen, so der Gedankengang des Papstes. 

Schon als Verantwortlicher für die Ausbildung im Jesuitenorden in Argentinien hat Pater Bergoglio einen kurzen Text geschrieben, „Über die Selbstanklage“, in dem er dieser geistlichen Dynamik nachgeht. Seit einem Jahr liegt der Text auch auf deutsch vor. 

Der Papst unterstrich noch eine weitere Tugend: Scham zu empfinden vor Gott, und das in
einem Dialog, nämlich indem wir die eigene Schuld anerkennen. „Bei dir, Herr, unser Gott, ist Barmherzigkeit und Vergebung. Die Schande ist bei mir, und die Barmherzigkeit und die Vergebung bei dir. Dieses Gespräch mit Gott zu halten, tut uns gut während der Fastenzeit. Klagen wir uns selber an, bitten wir um Barmherzigkeit! Im Evangelium sagt Jesus ganz klar: ‚Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist’. Und so ist der, der sich selbst anklagt, auch barmherzig mit anderen. ‚Wer bin ich, zu urteilen, wenn ich dazu fähig bin, noch viel Schlimmeres zu tun?“.

Der Satz „Wer bin ich, zu urteilen“ rühre von der Ermahnung Jesu her, so der Papst: „Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!“